Mein verrücktes Leben

Tja, ihr werdet euch jetzt vielleicht fragen: was soll das denn für eine Seite sein? Wieso ändert sich ein Leben nach so einer Erkrankung?

Und ja, ihr habt Recht! Normalerweise sollte es sich nicht ändern. Aber bei mir hat es vieles geändert.

Wo soll ich anfangen? Zum einen lag ich mit der Lungenentzündung in der Türkei im Krankenhaus. Fremde Sprache, weit weg von zu Hause, mein Verlobter in Deutschland... So etwas vergisst man nicht wieder.

Und zum anderen ist da die Nacht, in der ich Todesängste ausstand, weil ich glaubte, ich würde ersticken. Und die Angst wurde noch größer, als plötzlich davon die Rede war, man würde mich vielleicht intubieren müssen.

Aber hier soll es nicht um das Erlebnis an sich gehen. Sondern um die Folgen, die es hatte. Denn so verrückt es klingt, aber es hat mein Leben in vielen Teilen verändert. Zum einen entstand daraus eine PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung), wegen der ich mich derzeit einer Therapie unterziehe. Ich hatte monatelang Panikattacken, konnte nachts nicht mehr schlafen, hatte Alpträume. Manchmal wachte ich nachts nach so einem Traum auf und glaubte, ich wäre bereits tot. Dann musste ich mich selbst verletzen, Schmerzen spüren, um zu merken, dass ich noch am Leben war. Ich hatte tagsüber Flashbacks, fand mich immer wieder plötzlich in Erinnerungen an diese Tage und Nächte wieder, aus denen ich mich kaum wieder befreien konnte.

Es gibt auch körperliche Folgen. Seit der Lungenentzündung leide ich unter Asthma. Wenn es draußen sehr kalt ist und die Luft dünner, bekomme ich schlecht Luft, kann z.B. nicht rennen. Auch beim Sport bin ich nicht mehr so ausdauernd und immer noch nicht wieder auf dem Niveau, auf dem ich vor der Erkrankung war. Ich kann keinen Rauch und keinen Zigarettenqualm mehr ertragen, weil ich dann keine Luft mehr bekomme. Krankenhäuser machen mir seitdem Angst. Zwar ist es besser geworden, seit ich die Therapie mache, aber ein ungutes Gefühl wird wohl immer bleiben.

Ich bin nie ein Arztgänger gewesen. Ich hasse Ärzte. Doch seit dieser Erfahrung gehe ich mit jeder Erkältung zum Arzt. Aus Angst, erneut im Krankenhaus zu landen, mit dem Gefühl, um mein Leben zu ringen.

Manche Dinge nehme ich als nicht mehr selbstverständlich wahr. So verrückt es klingt. Atmen ist wohl für jeden Menschen das natürlichste der Welt. Für mich seitdem nicht mehr. Ich bin für jede Woche dankbar, in der ich völlig ohne Probleme bin und mir um Asthma und Lunge keine Gedanken machen muss. Auch nach der Therapie würde ich immer noch nicht in die Türkei fahren. Die Vorstellung, dort noch einmal Urlaub zu machen, jagt mir kalte Schauer den Rücken hinab.

Und es hat alte Wunden geöffnet, Dinge, die ich längst vergessen glaubte. Ich habe große Probleme mit meinem Körper seitdem. Der Hass auf meinen Körper ist unendlich groß. Aber vor allem ist mir dadurch eines klar geworden: ich will nicht sterben!!! Ich hänge an meinem Leben. Und ich werde alles tun, um es wieder liebenswert zu machen.